Ev.-luth. Melanchthon-Kirchengemeinde Hagen a.T.W.

Vor dem Zweiten Weltkrieg hat es nur eine geringe Zahl evangelischer Christen in Hagen gegeben.

Aber im Gefolge des Zweiten Weltkriegs ist eine erhebliche Anzahl Flüchtlinge evangelischen Glaubens nach Hagen gekommen.

Die Evangelischen werden zu dieser Zeit im Bereich Obermark (die ehemals selbständigen Bauernschaften Altenhagen, Mentrup und Beckerode) von der Lutherkirche Georgsmarienhütte aus - bzw. nach Gründung der Kirchengemeinde Sutthausen - von dort aus betreut. In der Niedermark (Bauernschaften Gellenbeck, Sudenfeld, Natrup) gehören die Evangelischen zur Kirchengemeinde in Hasbergen. Etliche Evangelische in der Niedermark orientierten sich auch zur Kirchengemeinde Leeden hin, wo seit der Reformationszeit eine evangelische Gemeinde besteht.

Die Gottesdienste in Hagen finden zunächst in den Sälen diverser Gaststätten bzw. in Schulen statt.

Am 01.01.1974 wird die Evangelische Kirchengemeinde Hagen a.T.W. gegründet, indem die Gemeindeglieder, die in der Obermark wohnen, aus der Apostel-Kirchengemeinde Sutthausen und die Gemeindeglieder, die in der Niedermark wohnen, aus der Christus-Kirchengemeinde Hasbergen ausgepfarrt werden.

In der Niedermark ist bereits 1970 auf Initiative von Pastor Dreger aus Hasbergen ein Bauverein gegründet worden mit dem Ziel, ein Gemeindezentrum für die Niedermark zu finanzieren. Auch in die neu gegründete Kirchengemeinde bringt sich der Bauverein ein. Er finanziert den Bau des Kirchenzentrums (1977) erheblich mit, sowie den Bau des Glockenturms (1986) und ein neues Dach (1997), um sich anschließend aufzulösen.

Auch der Frauennachmittagskreis stammt noch aus der Zeit vor der Gemeindegründung, so dass er stets höhere Jubiläen feiern kann, als die Kirchengemeinde.

Die pfarramtliche Versorgung der neu gegründeten Kirchengemeinde übernimmt zunächst Pastor Hilmar Menke aus Georgsmarienhütte, wie auch später wieder in Vakanzzeiten.

Am 01.08.1975 tritt Pastor Horst Gellesch seinen Dienst in Hagen an.

Am 15.08.1976 findet der erste Hagener Volkslauf unter der Regie der Kirchengemeinde statt, letztmals wird er 1999 von der Kirchengemeinde veranstaltet. Inzwischen gibt es einen anderen Veranstalter dafür.

Am 27.11.1976 erfolgt die Grundsteinlegung für das Kirchenzentrum, die Einweihung geschieht am 28.08.1977.

Weiterhin gibt es Gottesdienste im vierzehntägigen Wechsel in der Obermark, und zwar im Martinusheim, in dem die katholische Kirchengemeinde Gastfreundschaft gewährt.

1978 wird ein Posauenchor gegründet, der bis ca. 1987 besteht.

Im Frühjahr 1986 wird der Glockenturm vom Kirchenzentrum fertig gestellt.

Am 09.04.1986 stirbt Pastor Gellesch, die Trauerfeier ist am 14.04. im Kirchenzentrum.

Am 17. August 1986 tritt Pastor Gunnar Josuttis seinen Dienst in Hagen an.

Es zeichnet sich ein größerer Bedarf an Kindergartenplätzen in Hagen ab und man tritt an die evangelische Kirchengemeinde heran, die Trägerschaft für einen Kindergarten zu übernehmen. Ein Förderverein für den Bau wird gegründet (1990). Der Betrieb startet 1991 mit einer Kleingruppe im Kirchenzentrum. Der erste Spatenstich erfolgt am 12.08.1991 am Standort Neuer Kamp. Für die Kirchengemeinde bietet sich mit dem Bau des Kindergartens die Möglichkeit, auch für die Obermark Gemeinderäume und einen Gottesdienstraum zu schaffen. So wird das Melanchthonhaus als Besonderheit geplant und gebaut: unter einem Dach befinden sich Kindergarten, Kirche und Gemeinderäume.

Zeitgleich mit der Einweihung des Melanchthonhauses am 15.08.1992 erhält die bis dahin namenlose Kirchengemeinde den Namen Melanchthons. Die Kirchengemeinde wird damit benannt nach dem Freund und Weggefährten Luthers.

Es gibt in der hannoverschen Landeskirche unseres Wissens nur drei Gemeinden mit diesem Namen (außer in Hagen a.T.W. eine in Osnabrück und eine in Hannover). Eine historisch begründete Beziehung zu Melanchthon besteht in Hagen nicht.

Im Oktober 1992 tritt der gesamte Kirchenvorstand nach Differenzen mit dem Pfarramt zurück.

Im Oktober 1993 nimmt das Pastorenehepaar Ott seinen Dienst in Hagen auf, zunächst aus rechtlichen Gründen dem Superintendenten in Georgsmarienhütte zur Hilfeleistung zugeordnet. Am 20.11.1993 werden Heidrun und Roman Ott in der Lutherkirche in Georgsmarienhütte ordiniert, ihre Ernennung auf die Pfarrstelle in Hagen erfolgt 1996. Sie teilen sich die Pfarrstelle.

Etliche Kreise werden im Lauf der nächsten Jahre gegründet, von denen die meisten zurzeit noch bestehen. Der Versuch den Posaunenchor wiederzubeleben, gelingt aber leider nicht. Krabbel- und Kleinkindergruppen und auch Gottesdienste für diese Zielgruppe kommen hinzu.

Seit 1995 finden Gottesdienste in der Osternacht mit anschließendem Gemeindefrühstück statt, ebenso Gottesdienste zum Erntedankfest auf Bauernhöfen. Die erste mehrtägige Gemeindefahrt findet ebenfalls in diesem Jahr statt, außerdem der erste der Frühstücksgottesdienste am Pfingstmontag. Wegen nachgebender Treppenstufen wird der Eingang vom Kirchenzentrum neu gestaltet. Die Gemeinde bekommt Altarbehänge, gestaltet von der Künstlerin Anne-Maria Kreye aus Jever.

Im Rahmen der Dorferneuerung kann das Außengelände am Kirchenzentrum im Lauf des Jahres 1996 neu gestaltet werden.

1997 erwirbt die Kirchengemeinde bzw. der Kirchenkreis ein Pfarrhaus. Bis dato sind die Pastoren in angemieteten Häusern oder Wohnungen untergebracht. Jetzt wohnen sie zur Miete in kircheneigenen Räumen. Der Standort Schumacherstr. 34 liegt nur wenig vom Kirchenzentrum entfernt.

Ebenfalls im Jahr 1997 erhält das Kirchenzentrum ein neues Dach. Das bis dahin bestehenden Flachdach hat sich im Lauf der zurückliegenden Jahre als sehr reparaturanfällig erwiesen.
Seit 1997 arbeitet der Kindergarten integrativ, d.h. auch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf ("behinderte" Kinder) werden betreut, inzwischen in zwei der drei Gruppen.

Gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde St. Mariä-Himmelfahrt kann 1999 in Gellenbeck eine neue Friedhofskapelle eingeweiht werden. Auch evangelische Gemeindeglieder haben sich für den Bau dieses Gebäudes engagiert (finanziell und durch tatkräftige Mitarbeit), das auf dem katholischen Friedhofsareal an der Straße zwischen Hagen und Gellenbeck steht.

Im Jahr 2000 gibt es erstmals gemeinsam mit der Kirchengemeinde St. Mariä-Himmelfahrt ein Gemeindefest. Ab dann findet es alle zwei Jahre statt.

Im Kindergarten wird von Erzieherinnen gemeinsam mit Pastor Ott eine Projektwoche für die Vorschulkinder veranstaltet. Diese findet ab 2001 jährlich statt. Am Maibaum, den die Feuerwehr jedes Jahr auf dem Gibbenhoff aufstellt, hängt seit 2001 ein Schild mit einem Abbild Melanchthons. Heike Vollmer hat es für das neu gestaltete Siegel der Kirchengemeinde entworfen, nachdem bei der Visitation der Kirchengemeinde angeregt wurde, dass das Siegel nun auch den Namen "Melanchthon" und ein dazu passendes Abbild zeigen sollte (1997). Der Kopf Melanchthons findet seither auch in verschiedenen Größen bei den unterschiedlichsten Anlässen im Gemeindeleben Anwendung (Jubiläumstasse, Banner).

In dem Bemühen, auch einen Ort für Andacht und stilles Gebet zu schaffen, wird ein Leuchter in Form einer Weltkugel angeschafft. Die Visitation der Gemeinde durch den Kirchenkreis im Jahr 2003 bietet einen Anlass ihn einzuweihen. Er lädt ein, eine Kerze zu entzünden, zu beten, stille zu sein, zur Ruhe zu kommen. Er ist vor und nach den Gottesdiensten zugänglich, aber auch sonst wenn das Kirchenzentrum geöffnet ist.

Wegen der schlechten Akustik und Beleuchtung entscheidet sich der Kirchenvorstand für eine Neugestaltung der Decke im Kirchraum des Kirchenzentrums. Beides kann im Jahr 2003/2004 umgesetzt werden. Außerdem wird für den Altarbereich ein Podest gefertigt.

An den Fenstern im Kirchraum des Kirchenzentrums muss etwas geschehen, denn sie sind schon längere Zeit nicht mehr dicht. Auch die Fensterbank ist inzwischen in Mitleidenschaft gezogen. Der Kirchenvorstand nimmt das zum Anlass, künstlerisch gestaltete Fenster für das Kirchenzentrum schaffen zu lassen. Höhepunkt des Jahres 2005 ist der Einbau dieser Fenster, die den Zug durch das Schilfmeer (2. Mose 14) zum Thema haben. Entworfen hat diese Fenster die Bayreuther Künstlerin Heike Rongstock. Die Ausführung liegt bei der Firma Peters aus Paderborn.

Im Juli 2007 wird ein Förderverein gegründet. Von März 2009 bis Dezember 2016 hat er durch zahlreiche Aktionen eine halbe Diakonenstelle für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen finanziert. Mittlerweile ist Diakonin Sina Klöver mit geringerem Stundenumfang bei der Kirchengemeinde angestellt.

Im Frühjahr 2011 verläßt das Pastorenehepaar Ott die Gemeinde. Nach einer kurzen Vakanz wird das Pastorenehepaar Andrea Heßling und Stefan Wagner gewählt und beginnt am 16. November 2011 seinen Dienst in der Kirchengemeinde.

Zum 1. Juni 2014 übernimmt Pastor Stefan Wagner die ganze Pfarrstelle, da Pastorin Andrea Heßling seit diesem Zeitpunkt mit 50%igem Dienstumfang in der Krankenhausseelsorge in Bad Rothenfelde arbeitet.